16. August 2022

Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Diese Nachhaltigkeitsberichtspflichten kommen auf Sie zu

Der „European Green Deal” der Europäischen Kommission verfolgt das ambitionierte Ziel, die Europäische Union bis zum Jahr 2050 in einen nachhaltigen Kontinent zu wandeln. Dafür ist das Wirtschafts- und Finanzsystem ein entscheidender Angriffspunkt. Die Transformation zu einer ressourceneffizienten, sozialen und zugleich klimafreundlichen Wirtschaft muss gelingen – ohne die globale Wettbewerbsfähigkeit aus den Augen zu verlieren. Kapitalflüsse sollen künftig stärker in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten gelenkt werden. Dafür ist Transparenz notwendig. Hier kommt die neue Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ins Spiel: Sie weitet die bisherigen unternehmerischen Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich aus und schafft Vergleichbarkeit für Stakeholder.

Am 22. Juni 2022 haben der Europäische Rat und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erzielt. Sie wurde im April 2021 als Entwurf der Europäischen Kommission erstmals vorgestellt und sieht ein grundlegendes Update sowie eine umfangreiche Erweiterung der bisherigen CSR-Berichterstattung vor. Die CSRD löst die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ab und setzt die Nachhaltigskeits­berichterstattung auf eine Stufe mit der Finanzberichterstattung.

Ziel ist es, durch klar definierte Vorgaben und Kennzahlen eine Vergleichbarkeit in der Berichterstattung herbeizuführen. Aufgepasst: Im Vergleich zu den bisherigen CSR-Berichtspflichten erweitert sich der Anwenderkreis erheblich!

In diesem Beitrag beantworten wir für Sie folgende Fragen:

  • Wer ist von der CSRD betroffen?
  • Ab wann müssen die Vorgaben der CSRD erfüllt werden?
  • Wie ändern sich die Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung durch die Corporate Sustainability Reporting Directive?
  • Welchen Standards soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD folgen?
  • Beispiel Umweltziele – Welche konkreten Berichtspflichten zum Klimawandel (ESRS E1) sind geplant? Wie können sie umgesetzt werden?

Wer ist von der CSRD betroffen?

Während bislang ca. 11.000 Unternehmen der NFRD nachkommen mussten, sind in Zukunft voraussichtlich etwa 50.000 Unternehmen in der Europäischen Union von der CSRD betroffen. Darunter fallen:

  • Große Unternehmen, die min. zwei der folgenden drei Kriterien erfüllen (unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung):
    • mehr als 250 Beschäftigte
    • Nettoumsatz von mehr als 40 Mio. Euro
    • Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. Euro
  • Alle kapitalmarktorientierten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), mit Ausnahme von Kleinstunternehmen (zu KMU zählen Unternehmen die zwei oder der folgenden drei Merkmale erfüllen: 1) min. 10 Beschäftigte, 2) 350.000 Euro Bilanzsumme oder 3) 700.000 Euro Nettoumsatzerlöse)

Ebenso ist geplant, dass künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch nicht-europäische Unternehmen von der Berichtspflicht betroffen sind, wenn sie eine Niederlassung in der EU halten.

Ab wann müssen die Vorgaben der CSRD erfüllt werden?

Die Einführung erfolgt zeitlich gestaffelt. Aktuell sind folgende Fristen für die Umsetzung angedacht:

  • Ab 1. Januar 2024 (erster Bericht 2025): Für Unternehmen, die bereits der Richtlinie der nichtfinanziellen Berichterstattung nachkommen müssen.
  • Ab 1. Januar 2025 (erster Bericht 2026): Für große Unternehmen, die bisher noch nicht der NFRD unterliegen.
  • Ab 1. Januar 2026 (erster Bericht 2027): Für kapitalmarktorientierte KMU sowie zusätzlich für kleine und nicht-komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen.

Der Zeitplan ist straff. Daher sollten sich betroffene Unternehmen frühzeitig mit den Vorgaben der CSRD auseinandersetzen.

Wie ändern sich die Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung durch die Corporate Sustainability Reporting Directive?

Nach CSRD soll die Berichterstattung künftig um eine nachhaltigkeitsbezogene Beschreibung von Unternehmensstrategie und Geschäftsmodell erweitert werden. Außerdem ist die Resilienz des Geschäftsmodells zu Nachhaltigkeitsbelangen herauszuarbeiten; ebenso Chancen und Übereinstimmungen mit den Bestrebungen einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft.

Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens sollen definiert und deren Zielerreichung dokumentiert werden. Gleichzeitig sind mögliche Risiken aufzudecken. Auch die Rolle des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen und die Einbettung in den Due-Diligence-Prozess sollen näher bestimmt werden.

Die Berichterstattung wird in Zukunft dem Grundsatz der „doppelten Wesentlichkeit“ folgen: Das bedeutet, dass Unternehmen sowohl die Auswirkungen ihres eigenen Handelns auf Umwelt und Mensch berücksichtigen sollen, als auch – im Umkehrschluss – Einflüsse von Umweltveränderungen auf ihre unternehmerische Tätigkeit.

Um die Zugänglichkeit sicherzustellen, ist die Darstellung der Nachhaltigkeitsinformationen in einem eigenen Abschnitt im Lagebericht angedacht. Die Inhalte der Nachhaltigkeitsberichterstattung müssen künftig – im Sinne der Transparenz – in digitalem Format auffindbar und maschinenlesbar sein. Zudem soll eine inhaltliche Prüfung durch einen akkreditierten, unabhängigen Prüfer erfolgen – zunächst mit begrenzter Prüfungssicherheit („limited assurance”). Kommt ein Unternehmen künftig seiner Berichtspflicht nicht ausreichend nach, drohen Bußgelder und Sanktionen, die von den einzelnen Mitgliedsstaaten festgelegt werden.

Welchen Standards soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD folgen?

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll künftig nach den sog. „European Sustainability Reporting Standards” (ESRS) erfolgen, die von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) im Einklang mit bestehenden europäischen Rechtsordnungen ausgearbeitet werden. Ein erster Entwurf wurde am 29. April 2022 veröffentlicht und stand bis zum 8. August 2022 zur öffentlichen Konsultation.

Der Vorschlag deckt das Spektrum der ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) ab und enthält zusätzliche Standards zu übergreifenden Themen. Die ESRS fußen auf anerkannten Rahmenwerken wie GRI (Global Reporting Initiative) und TCFD (Task Force on Climate Related Financial Disclosures) und berücksichtigen zudem die Umweltziele der EU-Taxonomie.

Insgesamt umfasst der Vorschlag 13 Standards:

Cross-Cutting-Standards

  • Allgemeine Grundsätze (ESRS 1)
  • Allgemeine Bestimmungen, Strategie, Governance und Wesentlichkeitsbeurteilungen (ESRS 2)

Umweltbezogene Aspekte (Environment)

  • Verhinderung des Klimawandels (ESRS E1)
  • Vermeidung von Umweltverschmutzung (ESRS E2)
  • Wasser- und Meeresressourcen (ESRS E3)
  • Biodiversität und Ökosysteme (ESRS E4)
  • Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft (ESRS E5)

Gesellschaftliche Aspekten (Social)

  • Eigene Mitarbeiter (ESRS S1)
  • Beschäftigte in der Wertschöpfungskette (ESRS S2)
  • Betroffene Gemeinschaft (ESRS S3)
  • Verbraucher und Endnutzer (ESRS S4)

Aspekte der Unternehmensführung (Governance)

  • Governance, Risikomanagement und interne Kontrollen (ESRS G1)
  • Geschäftliches Verhalten (ESRS G2)

Aktuell sind bisher insgesamt 136 Offenlegungsanforderungen definiert. Zusätzlich sollen branchenspezifische Standards folgen.

Beispiel Umweltziele – Welche konkreten Berichtspflichten zum Klimawandel (ESRS E1) sind geplant? Wie können sie umgesetzt werden?

Wie detailliert die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD ausfallen könnte, verrät ein näherer Blick auf einen Teilbereich: Die ESRS E1 definiert die Berichterstattung zu den Themen Klimaschutz, Verhinderung des Klimawandels und Energie.

Sie soll transparent machen, welche Auswirkungen die Unternehmenstätigkeit auf den Klimawandel hat. Neben den klimabezogenen Chancen und Risiken des Unternehmens, sollen hier insbesondere die Ausrichtung auf das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Abkommen und damit einhergehend mögliche Anpassungen von Unternehmensstrategien und Geschäftsmodellen offengelegt werden. 

Die ESRS fordern dabei sehr konkrete Angaben, darunter Ziele und Maßnahmenpläne bis hin zu klar definierten Leistungskennzahlen. Zu den verpflichtenden Performance-Zahlen der ESRS E1 zählen nach aktuellem Stand z.B. Energieverbrauch, Energieintensität (bei Tätigkeiten in sog. „high climate impact sectors”, im Verhältnis zum Nettoumsatz), die Darstellung der Scope 1, 2 und 3 Treibhausgasemissionen, die Offenlegung der THG-Reduzierung im Betrieb bzw. entlang der Wertschöpfungskette sowie die THG-Intensität (gesamte Emissionen pro Nettoumsatz). Gerade die Messung der Scope 3 Emissionen stellt eine enorme Herausforderung dar, da sie sich dem direkten Einfluss der Unternehmen entziehen. Die EFRAG verweist hier auf die Leitlinien von GHG Protocol und GRI 305.

Die Ermittlung solcher Kennzahlen ist aufwendig. Daher ist softwaregestütztes Vorgehen bei der Erhebung anzuraten, um auf lange Sicht Kosten und Zeit zu sparen. Ein flexibler, umfassender Software-Ansatz für Energie, Klima und Umwelt kann zudem auch Messwerte für angrenzende Umweltaspekte liefern, z.B. für Umweltverschmutzung (ESRS E2), Wasserressourcen (ESRS E3) oder Ressourcennutzung (ESRS E5).

So geht es weiter

Nachdem der Europäische Rat und das EU-Parlament eine politische Einigung zur CSRD erzielt haben, muss die Richtlinie nun noch von beiden Gremien gebilligt werden und anschließend bis Dezember 2022 in nationales Recht umgesetzt werden. Die ESRS sollen spätestens im Oktober verabschiedet werden.

Umfang und Komplexität der geplanten Nachhaltigkeitsberichtspflichten machen bereits jetzt deutlich, dass es empfehlenswert ist, sich schon heute mit den geplanten Vorgaben auseinanderzusetzen. Mitunter kann es erforderlich werden, neue Strategien auszuarbeiten und entsprechende Prozesse im Unternehmen zu implementieren, die mit geeigneten Software-Lösungen unterstützt werden können.

Vorausschauend aufstellen

Sie möchten sich frühzeitig auf die neuen Berichtspflichten vorbereiten und einen professionelle Software-Lösung für Energie, Klima und Umwelt in Ihren Unternehmen etablieren? Lernen Sie unsere Software-Lösung IngSoft InterWatt kennen! Rufen Sie uns gerne an unter +49 (911) 430879-100 oder schreiben Sie uns eine E-Mail für weitere Informationen:

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